Vor 100 Jahren — erste Spiele auf dem Münsterplatz

Das krumme und schiefe Tor auf dem Münsterplatz hat die Hockey-Damen des VfB im Jahr 1919 überhaupt nicht gestört. Das krumme und schiefe Tor auf dem Münsterplatz hat die Hockey-Damen des VfB im Jahr 1919 überhaupt nicht gestört.

Einige VfB-Mitglieder unter der Führung von Heini Bäuerle, der seit 1907 im Vorläuferverein FV 1893 Stuttgart in der Leichtathletik-Abteilung aktiv ist, beschließen das Sportangebot zu erweitern und gründen im Sommer 1919 die Hockey-Abteilung. Gespielt wird zuerst auf dem Münsterplatz, Ende 1919 werden die Schläger auf dem Wasen in unmittelbarer Nähe des heutigen Campingplatzes geschwungen. Die ersten Spiele finden statt und auch Erfolge über die Stadtgrenze hinaus stellen sich ein. 1924 schließt sich die Hockey-Abteilung des „Kraftsportverein 1895“ dem VfB an und es geht weiter aufwärts mit dem Sport. Beim Länderspiel 1926 gegen Rheinland-Pfalz stehen neun VfB-Akteure in der württembergischen Mannschaft. Bis 1930 läuft alles gut, doch die Weltwirtschaftskrise fordert ihren Tribut und die Damen-Mannschaft verschwindet. 1937 wird ein neues Clubgelände nahe des Untertürkheimer Daimlerwerks angelegt, die Hockeyspieler errichten bis 1940 in Eigenregie einen Rasenplatz, dort wo heute das Robert-Schlienz-Stadion ist. Während des Zweiten Weltkrieges gerät der Sport zur Nebensache. Im Sommer 1945 wird der Sport wiederbelebt, das Problem ist nur, die nötige Ausrüstung wie Schläger, Bälle und Schienen aufzustöbern, was aber gelingt. Bereits drei Jahre später existiert wieder eine Herren-, Altherren- und Jugendmannschaft. Auf Initiative von Gisela Dobler und Hella Zimmer gibt es 1951 wieder eine Damenmannschaft - diese wird verstärkt durch den Übertritt eines Großteils der Betriebssportgruppe des Breuninger SC. Ab 1952 wird auch Hockey in der Halle gespielt. Einen tiefen Einschnitt erlebt die Abteilung 1972. Der Gesamtverein gerät in finanzielle Notlagen und beschließt eine Umlage auf die Mitglieder. Die Folge: Ein Großteil wechselt zum ESV Rot-Weiß Stuttgart. Plötzlich besteht die Abteilung nur noch aus einer Handvoll Erwachsener und vier Jugendteams. Liesel „Lisi“ Gantzhorn verkörpert fast zwei Jahre lang das „Mädchen für alles“ und startet mit den Jugendteams einen Neuanfang. Erfolge stellen sich bei der Jugend ein, selbst eine Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften in Bremen und Celle glückt 1977. In diesem Jahr werden dann wieder aktive Herren- und Frauenteams gestellt, gespielt wird auf dem neuen Rasenplatz an der Benzstraße. 1988 löst der ESV Rot-Weiß Stuttgart seine Hockeyabteilung auf, viele Aktive und Jugendspieler wechseln nun zum VfB. Mit Erfolg: 1991 gelingt sowohl den Damen als auch den Herren der Sprung in die Regionalliga. Gespielt wird dabei schon seit 1985 auf dem Kunststoff-rasen an der Mercedesstraße. Die Herren steigen sofort wieder aus der Regionalliga ab, die Frauen erwischt es zwei Jahre später. In der Saison 2014/15 gelingt den Frauen nochmals der Sprung in die Regionalliga, doch es geht postwendend wieder abwärts. Beide Aktiven-Teams spielen derzeit in der Oberliga.

Cannstatter Zeitung, 19.10.2019

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.